Scheidungsliteratur für Erwachsene

 

 

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Gerhard Amendt

 

Scheidungsväter. Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben

 

Campus Verlag, Frankfurt / New York 2006.

Broschiert, 308 Seiten


ISBN 978-3-593-38216-6

 

 

Über das Buch:

 

Seit dem Jahre 1998 ist durch das deutsche Kindschaftsrecht festgelegt, dass Kinder ein Anrecht auf beide Eltern haben. Die Rechte von "Scheidungsvätern" sind damit deutlich besser gestellt als früher. Dennoch gibt es immer noch zahlreiche Defizite, die nicht selten in deutlichem Widerspruch zur Rechtsprechung stehen. Diese Defizite, aber auch eine Reihe anderer wichtiger Aspekte im Leben von Vätern nach der Scheidung sind Gegenstand des Buches von Gerhard Amendt.

 

Der Autor ist emeritierter Professor am Institut für Geschlechter- und Generationenforschung an der Universität Bremen. Sein Buch ist Ergebnis einer groß angelegten Studie, in der über 3600 Scheidungsväter zu ihren Erfahrungen befragt wurden.

 

Das zentrale Ziel und damit auch die Besonderheit der Studie ist ihr Blickwinkel: Dargestellt wird nämlich die Sichtweise der Männer auf ihre Rolle als Scheidungsväter und auf die Konsequenzen, die ihre Scheidung auf das Verhältnis zu ihren Kindern sowie auf ihre gesamte private und berufliche Situation hat. Das Buch bietet damit einen facettenreichen Blick auf das, "was hinter der erzwungenen wie zugleich freiwilligen Heldenfassade in Männern ebenso anzutreffen ist: Schwäche, Selbstzweifel, Enttäuschung, Unsicherheit und auch der Wunsch, ebenfalls passiv sein zu können, ohne sich deshalb der Frau unterwerfen zu müssen."

 

Aus der Studie geht deutlich hervor, dass sich geschiedene Väter immer häufiger und nachdrücklicher gegen starre Geschlechterklischees zur Wehr setzen.

Doch gerade diese Klischeevorstellungen bestimmen häufig die Art und Weise, wie mit Scheidungsmüttern und -vätern umgegangen wird. Zu den gängigen Gemeinplätzen gehört das Bild der tapferen alleinerziehenden Mutter als einzig denkbarer Bezugsperson ihrer Kinder ebenso wie der Vater in seiner eingeschränkten Rolle als Zahlmeister und Freizeit- bzw. Wochenendpapa.

 

Gerhard Amendts Studie erschüttert diese Klischeebilder gewaltig. So kämpfen immer mehr Väter um das Recht, auch nach der Scheidung eine wichtige Rolle im Leben ihrer Kinder spielen zu können, indem sie auch den Alltag mit ihnen teilen. Dieses Bedürfnis nach Normalität in der Beziehung zu ihren Kindern zeichnet eine große Gruppe der Befragten aus.

 

Allgemein stellt die Trennung für die allermeisten Scheidungsväter ein einschneidendes Erlebnis dar, das häufig gravierende Auswirkungen auf ihr Privat- und Berufsleben hat. Die Studie macht deutlich, dass dieser Themenbereich von der Gesellschaft meist ignoriert, teilweise sogar regelrecht tabuisiert wird.

 

Das Schlusskapitel ist der Frage gewidmet, welche sozialpsychologische Bedeutung der Scheidung für die betroffenen Kinder zukommt.

 

 

Fazit

 

Gerhard Amendts Buch erhebt nicht den Anspruch, ein Ratgeber zu sein - doch wer sich intensiver mit den einzelnen Fallstudien sowie deren sehr lesbarer, nie langweiliger Auswertung befasst, kann daraus zahlreiche nützliche Hinweise gewinnen, wie man auch nach der Scheidung ein gutes Verhältnis zu den eigenen Kindern aufrechterhalten kann. Gleichzeitig macht die Studie auf eine Reihe von Missständen sowie überkommene Pauschalurteile über Scheidungsväter aufmerksam, die am Ende allen Beteiligten, Müttern wie Vätern und vor allem Kindern zum Nachteil gereichen.

 

 




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