Scheidung oder Getrenntleben
Wirtschaftliche Überlegungen
In vielen Ehen gibt es ein Einkommensgefälle, bei dem ein Ehegatte deutlich mehr als der andere verdient.
Warum wirtschaftlich Schwächere an einer Ehe festhalten könnten
Aus Sicht des Geringerverdienenden macht ein Festhalten an der Ehe durchaus Sinn. Der Anspruch auf Zugewinn oder Versorgungsausgleich steigt von Monat zu Monat.
Darüber hinaus gibt es in Alleinverdienerehen eine Verpflichtung zur finanziellen Versorgung des Ehepartners. Ein ausreichendes monatliches Budget zur freien Verfügung hat in vielen Ehen zum Durchhalten geführt. Besonders bitter wird es für Betroffene, wenn dieses Durchhalten über Jahre oder gar Jahrzente andauert.
Doch die finanzielle Absicherung ist kein Ersatz für ein glückliches und selbstbestimmtes Leben.
Warum sich eine Scheidung für wirtschaftliche Schwächere rechnen könnte
Die Rechtsprechung als Folge zahlreicher Reformen der letzten Jahre wird häufig herangezogen, wenn es darum geht, dass der wirtschaftlich Stärkere eine Scheidung vermeiden will.
Tatsächlich haben viele besonders erfolgreiche Ehepartner eine panische Angst vor den wirtschaftlichen Folgen einer Scheidung, da das auch bedeutet, das nicht nur der Versorgungsausgleich, sondern auch der Zugewinnausgleich durchgeführt werden muss. In vielen Fällen geht es um viel Geld, Geld, auf das der Geringerverdienende niemals zuvor Zugriff hatte, da es in Immobilien, in Versicherungsverträgen, in Unternehmen, in Unternehmensanteilen oder in Aktiendepots gebunden war. Dieses Geld wird oftmals für den Neustart verwendet.
Unterhaltsrechtlich stehen viele Eheleute trotz zahlreicher Reformansätze ähnlich dar wie vor den Reformen. Die Höhe der Unterhaltszahlungen blieb praktisch unangetastet, Änderungen gab es hinsichtlich einer größeren Eigenverantwortung des schwächeren Ehepartners sowie in der Rangfolge der Unterhaltsempfänger.
Um nicht in dauerhafter Unsicherheit leben zu müssen, entscheiden sich zunehmend auch wirtschaftlich Schwächere, die Scheidung einzureichen, da in nicht mehr intakten Ehen von Tag zu Tag die Gefahr wächst, dass der andere Ehepartner selbst die Scheidung einreicht und dann kann ein Neustart aufgrund vieler sinnlos verwarteter Jahre umso schwerer werden.
Aus der Sicht des Besserverdienenden
Scheidung eher sinnvoll
Aus Sicht des Besserverdiendenen macht ein klarer Schlussstrich Sinn, da sowohl der Zugewinn als auch der Versorgungsausgleich fortan nicht mehr geteilt werden. Auf die Durchführung des gesetzlich vorgeschriebenen Zugewinnausgleichs oder des Versorgungsausgleich kann sogar gänzlich verzichtet werden, wenn es gelingt, sich dem anderen Ehepartner über einen Verzicht zu einigen. Hierbei ist neben einem Totalverzicht (der gar nicht mal so selten vorkommt), auch ein Teilverzicht denkbar, der je nach Einzelfall mit einer mehr oder weniger großen Entschädigungszahlung verbunden sein kann.
Steuerliche Gründe können Gutverdienende davon abhalten, eine Scheidung zu erwägen. Wer an der Ehe festhalten will, sollte über eine Trennungsfolgenvereinbarung nachdenken, die klare Regelung zum Unterhalt, zum Zugewinn oder zum Versorgungsausgleich enthält. doch Vorsicht: Nicht alles, was wünschenswert ist, hat auch rechtlichen Bestand.
Festhalten an der Ehe aus Bequemlichkeit
Für alle, die aus Bequemlichkeit an der Ehe festhalten wollen, sind diese Seiten nicht gemacht. Diese Internetseiten sollen Menschen helfen, die eine nicht mehr zu ertragende Situation für sich oder die Kinder ändern wollen.
Wie wird sich meine Situation durch eine Scheidung verändern
Der Vorher-Nachher-Vergleich
Wer wissen will, wie sich seine Einkommensituation durch eine Scheidung verändern wird, kann bei uns einen Vorher-Nachher-Vergleich machen. Wir erstellen Ihnen ein Gutachten über Ihre individuelle Situation. Auf Wunsch zeigen wir Ihnen Wege zur Regelung offener Vermögens- oder Unterhaltsfragen auf oder beraten Sie zu allen Fragen rund um den Versorgungsausgleich.
